Wie wird man eigentlich Wrestler? - Deutsche Oper Berlin
Wie wird man eigentlich Wrestler?
8 Regeln des Wrestlings … von Pascal Spalter und El Comandante Rambo
Regel #1 – Nicht zuhause nachmachen!
Die allerwichtigste Regel ist, Wrestling nicht ohne professionelle Anleitung zu betreiben. Wer Wrestling machen möchte, muss als erstes eine professionelle Wrestling-Schule suchen. Die erkennt man daran, ob die Trainer und Leute, die in der Schule trainieren, national, am besten international, Erfolg haben und in der Szene respektierte Wrestler sind. Einige Wrestling-Schulen behaupten, die Besten zu sein, haben aber nie jemanden hervorgebracht, der auch wirklich etwas kann. Deshalb ist Vorsicht geboten und du solltest dich vor der Wahl eingehend mit der entsprechenden Schule beschäftigen, zumal die Sache sonst wirklich gefährlich werden kann.
Regel #2 – Fitness ist Grundvoraussetzung!
Hast du die Möglichkeit für ein gutes Wrestling-Training gefunden, dann ist eine körperliche Grundfitness unbedingte Voraussetzung. Das heißt, wer im Schulsport eher auf der Bank saß, sich schwertut bei einer Rolle vorwärts, einer Rolle rückwärts und nach drei Minuten joggen außer Puste ist, sollte erstmal an den Grundlagen arbeiten, seine Ausdauer verbessern und sportlicher werden.
Regel #3 – Gesundheit checken!
Wenn man sich die körperlichen Voraussetzungen erarbeitet hat und dazu in der Lage fühlt, beim Wrestling einzusteigen, schadet es nicht, sich auch bei einem Arztbesuch durchchecken zu lassen. Eine gesunde Konstitution ist unentbehrlich.
Regel #4 – Aufpassen und abschauen!
Von enormer Bedeutung ist eine gute Auffassungsgabe. Man spricht da davon, ob jemand coachable ist. Das bedeutet, du musst dazu in der Lage sein, das, was dir gesagt wird, gut und schnell umzusetzen, aber auch, dir Sachen abzuschauen, also genau zu beobachten, was andere machen, und das dann selbst zu erproben und umzusetzen. Kritikfähigkeit ist ebenso wichtig, um sich gut verbessern zu können.
Regel #5 – Sei dir nicht zu schade!
Beim Wrestling muss man anpassungsfähig sein und darf nicht erwarten, dass man in kürzester Zeit zum Star wird, egal wie talentiert man ist. Die ersten zehn Jahre sind keine schöne Zeit. Wrestling ist sehr hierarchisch strukturiert und das wird sicherlich auch noch eine Weile so bleiben. Du fängst als Tellerwäscher an und musst dich hocharbeiten. Anfänger sind erstmal das fünfte Rad am Wagen. Wenn wir beide zum Beispiel zu einer Show in einer anderen Stadt eingeladen werden und es sind noch zwei Wrestler dabei und wir sagen dir: „Wir finden dich cool. Magst du mitkommen?“, dann sitzt du im Auto auf der Rückbank in der Mitte. Wird eine Veranstaltung beworben, musst du als Anfänger Flyer verteilen und Plakate kleben. Du bist als Erster an der Halle und verlässt sie als letzter. Es kommt auch vor, dass du um 6 Uhr morgens aufstehst und als erstes zum Lagerraum fährst, um den Ring in einen Transporter zu laden – danach baust du ihn auf, trainierst und hast dann noch deine Kämpfe. Wenn alles durch ist, baust du den Ring ab und lädst ihn wieder auf den Transporter. Bis du zuhause bist, ist es 2 Uhr nachts. Das gehört dazu, haben wir alle durchgemacht. Und wenn ein gestandener Wrestler nach 15 Jahren Freiberuflichkeit unter Festvertrag kommt, fängt er wieder erstmal unten an und muss mit anpacken. Wenn das nichts für dich ist, brauchst du es nicht zu versuchen. Wir haben viele talentierte Leute kommen und gehen sehen, weil die damit nicht klar gekommen sind.
Regel #6 – Sei dir des Schmerzes bewusst!
Mit der Zeit gewöhnt man sich an den Schmerz, was nicht heißt, dass man ihn nicht mehr spürt. Auch ein trainierter Wrestler ist Schmerzen und extremer körperlicher Belastung ausgesetzt. Verletzungen sind an der Tagesordnung. Gleichzeitig gilt: The show must go on. Sprich, wenn du in einem Programm bist und eine Prellung oder Zerrung hast und dem Veranstalter deswegen eine Show absagst, bist du für die nächsten Shows auch raus. Hast du es irgendwann so weit geschafft, dass du im Kampf vor der Pause mitmachst – mit das wichtigste Match – und bist mental nicht bereit dazu, kommst mit dem Druck nicht klar, ist das ein Problem.
Regel #7 - Der Ring ist alles!
Alles steht und fällt mit dem Ring. Denn er ist im Grunde das einzige externe Werkzeug eines Wrestlers. Was macht einen guten Ring aus? Der Ring soll optisch was hermachen, angsteinflößend aussehen. Gleichzeitig muss er robust sein, um die spektakulären Sprünge und Stürze auszuhalten und zu ermöglichen, dass wir diese wegstecken können. Dafür ist die Federung des Rings entscheidend. Zudem müssen die Seile straff gespannt sein, damit sie unser Gewicht halten, wenn wir uns reinwerfen. Stabilität und Sicherheit eines Rings sind auch für die mentale Ebene enorm wichtig. Du gehst mit einem ganz anderen Gefühl rein, wenn du weißt, dass du dich auf den Ring verlassen kannst. Nur dann entwickelt sich ein Flow. Während eines Kampfes geht einem genug durch den Kopf, man muss nicht nur über sich, sondern auch für seinen Gegner mitdenken, für den Ringrichter, sind Kameras dabei, muss man sich positionieren. Da ist man froh, wenn man sich nicht auch noch über den Ring Gedanken machen muss. Woran man einen guten Ring erkennt, lernt man mit der Erfahrung. Vor dem Kampf laufen wir erstmal eine Runde durch den Ring, schauen uns die entscheidenden Stellen an, tasten uns durch. Haben wir Bedenken, sprechen wir das ab und suchen nach einer Lösung.
Regel #8 - Man lernt nie aus!
Wenn du im Wrestling aufhörst zu lernen, hör am besten auch gleich mit dem Wrestling auf! Überlasse den Ring denen, die Hunger auf Neues haben und sich weiterbilden wollen. Auch nach 20 Jahren im Ring lernt man noch dazu, natürlich durch andere Wrestler, aber auch durch neue Locations mit Publikum, das sich anders verhält, als man es vielleicht gewohnt ist. Letztlich ist es wie mit allem im Leben: Wenn man sich nicht mehr weiterentwickelt, bleibt man stecken.