Bum, bum, kra, kra, tac, tac - Deutsche Oper Berlin

Bum, bum, kra, kra, tac, tac

Zwischen Opera buffa, mexikanischem Wrestling und Warner-Brothers-Cartoons. Rolando Villazón über seine Inszenierung von Rossinis spritzigem Meisterwerk L’ITALIANA IN ALGERI

Christoph Seuferle rief an und fragte, ob ich Lust habe, L’ITALIANA IN ALGERI zu inszenieren. Was der Operndirektor nicht wissen konnte: Ich hatte mich schon als Student in die Oper verliebt. Unser Gesangslehrer am Konservatorium in Mexico City brachte mal eine DVD in die Klasse, eine alte Aufnahme, Claudio Abbado dirigiert, Frank Lopardo und Agnes Baltsa singen – ich war verzaubert. Die Musik ist so frisch, so wild, so lebendig. Die Oper war eine Entdeckung!

Rossini hat L’ITALIANA mit 21 geschrieben, in nur 27 Tagen, sagt man. Erst danach komponierte er sein Meisterwerk IL BARBIERE DI SIVIGLIA. Doch man hört schon seine ganze Musikalität, den Reichtum und das Genie. Man hört Mozart und Haydn: die Tradition, auf die er sich bezieht. Vor allem fallen seine Kreativität auf und die Energie, mit der er eine völlig absurde Geschichte musikalisch durcherzählt. Es geht um eine Italienerin, Isabella, die ihren Geliebten sucht, in Algerien gefangengenommen wird und mit viel Klugheit und List ihre Freiheit zurückgewinnt – und ihre Liebe. Dies alles ist so dicht und temperamentvoll erzählt, musikalisch wie dramaturgisch, dass man die ganze Zeit mitfiebert und alles glaubt. Es ist herrlich.

Ich habe sofort zugesagt, die nächsten Telefonate drehten sich um die Frage, wie wir die kolonialistischen, xenophoben Elemente um »gute Italiener« und »dumme Algerier und Türken« brechen. Christoph hatte die Idee, alles vielleicht im Boxumfeld stattfinden zu lassen. Das fand ich gut, mir war nur die Ästhetik der Box-Hallen zu karg, wir müssen ja drei Stunden Oper füllen, da braucht es mehr als eine sportliche Metapher. Rossinis Musik ist Commedia dell’arte, Opera Buffa, Theater mit Bewegung, Irrsinn und viel Herz.

Ich dachte an die physische Comedy von Buster Keaton und Charlie Chaplin – und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Lucha Libre! Lucha Libre ist mexikanisches Wrestling, die Sportler tragen bunte Masken, glitzernde Capes, sehen aus wie aztekische Actionfiguren. Die Helden meiner Kindheit hießen »El Santo« und »Blue Demon«, ich habe Stickeralben mit ihren Fotos vollgeklebt. Lucha Libre ist eine Mischung aus Kampftheater und Show, eine Kunst, die sich in keinem Moment ernst nimmt. Die Kostüme, das Glitzernde, diese Übertreibung: Lucha Libre ist Camp. Genau wie Rossini! Warum nicht die Heldin in ein »Seraglio Gym« entführen, eine Fantasiewelt zwischen Italien, Algerien und Mexiko, wo sich zwei verfeindete Wrestling-Teams gegenüberstehen? Plötzlich passte alles.

Rasantes Genie: Gioacchino Rossini komponierte L’ITALIANA mit 21 Jahren, in nur einem Monat. Es folgte: IL BARBIERE DI SIVIGLIA © Alamy Stock
 

Der nächste Teil der Arbeit besteht darin, die Figuren zu übertragen: einen Sklaven zum »Luchador« zu machen, einen Höfling zum Geschäftsführer und aus dem Bey von Algerien »El Bayo«, den Teamchef. Der größte Teil besteht darin, die gesamte Oper durchzugehen. Und je mehr Spaß ich hier habe, umso besser weiß ich, dass die Idee funktioniert. Szene für Szene notiere ich bei jeder Figur, bei jedem Einsatz, jedem Crescendo, was auf der Bühne passieren soll, schreibe es in Skizzenbücher, übertrage es in die Partitur, sie sieht am Ende aus wie eine bunte Landkarte: Pfeile, Markierungen, Zeichnungen für alle Bewegungen der Figuren. Es ist wie ein Tanz. Gerade in der Komödie ist Timing alles. Jede Geste, jeder Blick, jedes Schweigen ist Teil einer Choreografie. Und je dynamischer die Musik, umso genauer muss man arbeiten.

Es wird sogar einen »echten« Wrestling-Kampf geben, am Ende des ersten Akts, bei dem ikonischen Septett, wenn alle im Stakkato durcheinander singen: »Bumm, bumm, bumm. Ding, ding, ding. Tac, taca, taca, tac!« Ein verrücktes Chaos, präzise getaktet, genau wie die Musik zu den Warner-Brothers-Cartoons. Bugs Bunny, Daffy Duck, der Tasmanische Teufel, das waren die anderen Helden meiner Kindheit, und auch sie sind eine Inspiration für diese Inszenierung. Achten Sie mal drauf: Die Filme der »Loony Tunes« sind wie kleine Rossini-Opern: völlig überdreht, extrem musikalisch und bis ins kleinste Detail choreografiert.

Ich glaube, es wird richtig Spaß machen. Aber wie immer, gilt auch bei dieser Inszenierung: »prima la musica!« Jede Idee soll die Musik unterstützen. Und genau deswegen macht die Arbeit an L’ITALIANA IN ALGERI so viel Spaß. Das ist das Geniale dieses wahren Meisterwerks von Rossini: Es gibt keinen schwachen Moment, keine Szene, die nicht glänzt. Es ist immer die Musik, die uns diese völlig absurde Geschichte erzählt und uns so herrlich unterhält.

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