L’Italiana in Algeri – Die Handlung - Deutsche Oper Berlin
L’Italiana in Algeri – Die Handlung
1. Akt
Mustafà, alias der „Bey“, Herrscher des „Seraglio“ und Inbegriff eines Machos, ist seiner Frau Elvira überdrüssig. Um sich Elviras unkompliziert zu entledigen, möchte er sie mit seinem Bediensteten Lindoro verkuppeln. Lindoro indes, der schon eine Weile zur Arbeit im „Seraglio“ verdonnert ist, sehnt sich einzig und allein zurück nach seiner geliebten Isabella, der er entrissen wurde.
Auch Isabella wünscht sich ihren Lindoro wieder. Um ihn aus den Fängen von Mustafà zu befreien, hat sie sogar die strapaziöse Reise zum „Seraglio“ auf sich genommen. Bei ihrer Ankunft ist sie jedoch, mit ihrem Begleiter und heimlichen Verehrer Taddeo, direkt in die Arme von Mustafàs Leuten unter der Leitung des Schergen Haly gelaufen. Nachdem Taddeo sein Schicksal selbstmitleidig verflucht, geben sich die beiden kurzerhand als Onkel und Nichte aus, um zumindest nicht voneinander getrennt zu werden.
Währenddessen drängt Mustafà seine Gattin Elvira zur Abreise mit Lindoro. In der Ferne blühe den beiden eine rosige Zukunft, so der Bey. Als die Nachricht eintrifft, dass die schöne fremde Isabella auf dem Weg zum Palast ist, kann es Mustafà gar nicht schnell genug gehen, seine Frau loszuwerden. Trotz dieser schmerzlichen Kränkung gesteht Elvira ihrer Vertrauten Zulma, dass sie Mustafà noch immer liebt.
Als Isabella Mustafà vorgeführt wird, ist dieser sofort in ihren Bann gezogen. Die selbstbestimmte Isabella weiß die Situation vom ersten Moment an für sich zu wenden. Sogleich rettet sie den schreckhaft unbeholfenen Taddeo vor dem Pfahl, indem sie auf ihrer beider vermeintliches Verwandtschaftsverhältnis als Nichte und Onkel verweist.
Da platzen Lindoro, Elvira und Zulma herein, um ausschweifend Abschied zu nehmen und Mustafà ein letztes Mal scheinheilig zu lobpreisen. Augenblicklich erkennt Isabella ihren geliebten Lindoro und nutzt die Gemengelage, um Mustafà auflaufen zu lassen: Sie prangert offen seine Entscheidung an, Elvira zu verstoßen, und verurteilt ihn als Tyrannen. Allein wenn Mustafà die Gattin bei sich behalte und Isabella den Diener Lindoro überlasse, sei dem Bey Isabellas Gunst sicher. Die Konfusion steuert ihrem Maximum entgegen, bis alle Beteiligten in völliger Verwirrung nur noch laute Geräusche von sich geben.
2. Akt
Inzwischen ist Mustafà der cleveren Isabella so sehr verfallen, dass sich selbst die Vertrauten und Bediensteten in seinem Umfeld darüber auslassen. Siegessicher verabredet sich der Bey mit Isabella zum Kaffee. Isabellas kurzzeitige Sorge, sie hätte ihren geliebten Lindoro an Elvira verloren, kann schnell aus dem Weg geräumt werden, sodass sich das Paar auf die gemeinsame Flucht einschwört.
Taddeo ist auf ständiger Flucht vor Haly in der Angst vor dem Pfahl. Um das zu unterbinden, verleiht ihm Mustafà den Titel als „Kaimakan“, eines hochrangigen Untergebenen des Beys. Durch die Würdigung ihres – vermeintlichen – Onkels, erhofft sich Mustafà Pluspunkte bei Isabella. Trotz Taddeos Beteuerung, er sei für das Amt gänzlich ungeeignet, muss er die zweifelhafte Ehrung letztlich annehmen.
Derweil denkt Isabella gar nicht daran, sich mit dem Bey allein zu treffen und lädt Elvira dazu ein, mitzuerleben, wie sie Mustafà vorführt. Dieser ist bereits auf dem Weg, in Begleitung von Lindoro und Taddeo, welchen er verordnet, ihn mit Isabella alleinzulassen, sobald er ein Niesen als Zeichen von sich gibt. Selbstgewiss präsentiert Mustafà den vorgeblichen Onkel Isabellas in seiner neuen Position des Kaimakan, um ihr zu imponieren. Doch statt des geplanten Rendezvous endet die Situation im Fiasko: Taddeo will partout nicht verschwinden, sodass sich der Bey die Seele aus dem Leib niest, während Lindoro sich über die skurrile Szene amüsiert. Und zudem beteiligt sich auch noch Gattin Elvira am Kaffeekränzchen, sodass Mustafà jegliche Gelegenheit genommen ist, Isabella den Hof zu machen. Erneut macht sich allgemeine Verwirrung breit.
Mustafàs Ansehen ist nachhaltig beschädigt: Selbst für den treuen Schergen Haly verkommt er zunehmend zur Witzfigur. Indes scheitert Taddeo beim Versuch, sich gegenüber Lindoro als neuer Liebhaber Isabellas zu gerieren. Schließlich aber verbünden sich die beiden, um dem aufgebrachten Mustafà einzureden, es gäbe nur eine Möglichkeit, das Herz Isabellas für sich zu gewinnen: Mustafà müsse zum „Pappataci“ ernannt werden, ein Titel mit dem nur drei Dinge einhergingen – essen, trinken und schlafen. Mit dieser „Ehre“ wolle sich Taddeo für die Berufung zum Kaimakan revanchieren.
Während die Feierlichkeiten zur Ernennung des Pappataci vorbereitet werden, plant Isabella mit ihren Leuten, die im „Seraglio“ festgehalten werden, den Gegenschlag. In einem aufwändigen Ritual wird Mustafà auf seine neuen Pflichten eingeschworen: Er muss sehen ohne zu sehen, hören ohne zu hören und alles über sich ergehen lassen, ohne einzugreifen. Die Gehirnwäsche ist erfolgreich, so dass nicht einmal Mustafàs Gefolgsleute ihn aufrütteln können, als Isabella, Lindoro und Taddeo vor aller Augen den Sieg davontragen. Ob Mustafà aus der Lektion gelernt hat oder nicht, im „Seraglio“ wird in Zukunft definitiv ein anderer Wind wehen.