Oper von unten - Deutsche Oper Berlin

Oper von unten

Kein deutscher Komponist kannte sein Publikum so genau wie Albert Lortzing. Seine Opern sind Meisterwerke aus dem Geist der Theaterpraxis. Jörg Königsdorf erklärt den Klassiker

Wahrscheinlich war Albert Lortzing in seinem knapp 50jährigen Leben selten so glücklich wie in den Tagen nach dem 4. Januar 1839. Auch der damals in Berlin ungewöhnlich strenge Winter dürfte sein Hochgefühl kaum beeinträchtigt haben. Nach der umjubelten Premiere seiner zweiten Oper wähnte er sich am Ziel: Die Berliner Aufführung von ZAR UND ZIMMERMANN an der Königlichen Hofoper Unter den Linden markiert das Datum, an dem die Weltöffentlichkeit auf einen Schlag von dem Opernkomponisten Lortzing Notiz nimmt. Und nicht nur das, kurz darauf schreibt der Kritikerpapst Ludwig Rellstab, er halte diese Oper »für unbedingt das beste Werk, das von einem jüngeren deutschen Komponisten auf die Bühne gebracht wurde, seit ich die kritische Feder über Musikaufführungen in Berlin geführt habe«. Mit 38 Jahren ist Lortzing der Mann der Stunde, der Hoffnungsträger der deutschen Opernszene.

Der Sensationserfolg ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Zunächst ist die Berliner Premiere von ZAR UND ZIMMERMANN keineswegs die Uraufführung. Die fand ein Jahr zuvor in Leipzig statt, dort wurde die Oper freundlich aufgenommen, löste aber keineswegs jenen Taumel aus, in dessen Folge das Werk seinen Siegeszug rund um die Welt antreten wird. Und dann ist der Komponist auch noch ein quasi Unbekannter: Vor dem ZAR trat Albert Lortzing nur mit einer Oper an die Öffentlichkeit. Auch die war schon eine Verwechslungskomödie, leichte Unterhaltung fürs breite Publikum, reichte aber (noch) nicht für einen Platz unter den Großen seiner Zunft.

Tatsächlich wirkt der Erfolg Lortzings wie eine Antithese zum romantischen Geniekult jener Tage. Während der berühmteste deutsche Komponist der Zeit, Felix Mendelssohn Bartholdy, vor lauter Grübelei über das Wesen des Musiktheaters und unter dem Druck, etwas grundsätzlich Neues schaffen zu müssen, in Skizzen und Entwürfen steckenbleibt, kommt Lortzing einfach daher und zeigt, wie es geht. Zeigt, dass gutes Musiktheater aus der Praxis entsteht und daraus, dass einer mit offenen Ohren und Augen das Geschehen auf der Bühne aufsaugt.

Von dieser Praxiserfahrung nämlich besitzt kein deutscher Komponist mehr als Lortzing. Er wächst in die Welt der Bühne buchstäblich hinein, seit die theaterbegeisterten Eltern nach dem Bankrott ihres Berliner Lederwarengeschäfts ihr Hobby zum Beruf gemacht und sich einer Schauspieltruppe angeschlossen haben. Lortzing lernt das Metier des Theaters als Schauspieler und Sänger, als Mozarts Don Giovanni, als jugendlicher Liebhaber in den populären Lustspielen August von Kotzebues und als Komiker in schlichten Possen. Jeden Abend bekommt er auf der Bühne selbst zu spüren, wann sein Publikum in Düsseldorf, Detmold oder Leipzig lacht, wann es gerührt oder gespannt ist, wann es sich langweilt. Was das Musikalische angeht, ist er weitgehend Autodidakt, lernt von den Opern Mozarts, Rossinis und Bellinis – auch daher traut er sich wohl erst vergleichsweise spät als Komponist an das Licht der Öffentlichkeit.

Albert Lortzing (rechts) mit seinen Freunden, dem Journalisten Carl Herloßsohn (Mitte) und dem Zeichner Carl Ferdinand Berthold © Alamy
 

Das Besondere an Lortzing ist vielleicht, dass ein Künstler seine Werke nicht in erster Linie als Selbstverwirklichung begreift, sondern vom Publikum her denkt, unterhalten will, im besten Sinne. Auch deshalb schreibt Lortzing die Texte zu seinen Opern meist selbst, als einziger deutscher Komponist vor Wagner. Und wie sicher er Pointen setzen kann, zeigt kein Stück besser als ZAR UND ZIMMERMANN, dessen Erfolg nicht nur auf eingängige Melodien wie den berühmten Holzschuhtanz zurückgeht, sondern vor allem auf eine Verschmelzung von Wortwitz und musikalischer Komik. Kein Wunder, dass der notorisch überforderte Bürgermeister van Bett, der in seiner Auftrittsarie »O sancta justizia!« genau diese Register bedient, sofort zur populärsten Figur der Oper wird. Um das geniale Spiel aus Witz und Musikalität in die Gegenwart zu holen, präsentieren wir fast zweihundert Jahre später einen ZAR, dessen Libretto von Regisseur und Autor Martin G. Berger aktualisiert wurde.

Lortzings Hoffnungen nach der Berliner Premiere indes sollten sich nicht erfüllen: Während seine Opern überall gespielt werden, profitiert er selbst kaum. Als er 1851 im Alter von fünfzig Jahren stirbt, hinterlässt. er Frau und Kinder in Armut. Immerhin errichten die Berliner ihrem wortgewandten Komponisten im großen Tiergarten später ein Denkmal.

 

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